Warum Bio-Landwirtschaft gut für die Bodenfruchtbarkeit ist – und wie sie dem Klimaschutz hilft
Pflanzen wie Weizen und andere Getreide-Sorten sind die Basis für viele unserer Lebensmittel. Damit diese optimal wachsen können, sind gute Böden eine Voraussetzung. Doch diese stehen vor vielen Herausforderungen: Erosion, Übernutzung, Urbanisierung und der Rückgang organischer Substanz setzen den Ackerflächen immer weiter zu. Vor allem der Humus, ein wichtiger Faktor für die Gesundheit der Böden, nimmt immer weiter ab. Dies senkt die Ertragsfähigkeit der Böden, führt aber auch dazu, dass immer mehr Kohlenstoffdioxid in die Luft gelangt, anstatt im Boden gebunden zu werden. Dabei zeigen Studien, dass es auch anders geht: Die Bio-Landwirtschaft pflegt den Boden, fördert den Humusaufbau und ist zudem gesünder für Tier und Mensch.
Wenn es um den Zusammenhang zwischen Bio-Landwirtschaft und Klimaschutz geht, kommen Sie an einem Begriff nicht vorbei: Humus. Humus ist eine organische Substanz im Boden, die vor allem aus abgestorbenen Pflanzen- und Tierresten entsteht. Sie besteht aus Kohlenstoffverbindungen, Nährstoffen und Mikroorganismen und bildet quasi die lebendige Haut der Erde. Humus schützt nicht nur, sondern sorgt dafür, dass der Boden locker, fruchtbar und wasserhaltend bleibt. Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Schwefel werden darin gespeichert und langsam an die Wurzeln der Pflanzen abgegeben. Viele Lebewesen haben hier außerdem eine Heimat, etwa Würmer, Pilze und Bakterien. Diese bereichern den Boden weiter, indem sie ihn umgraben oder mit Nährstoffen versorgen. In der Forschung ist unbestritten, dass ein hoher Humusgehalt für einen vitalen und widerstandsfähigen Boden steht – und damit für stabilere Erträge.
Wie entsteht Humus und welche Maßnahmen fördern die Bildung?
Humus entwickelt sich nicht über Nacht. Es dauert Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis eine gesunde Humusschicht entsteht. Pflanzen liefern über Wurzeln, Blätter und Erntereste organische Substanz. Mikroorganismen, Regenwürmer und Pilze zersetzen dieses Material und wandeln es in stabile Humusverbindungen um. Dabei unterscheidet man drei Stufen: Frischhumus (kaum zersetzte Pflanzenreste), Nährhumus (aktive Fraktion) und Dauerhumus (stabile, über Jahrzehnte haltbare Verbindungen). Für einen gesunden Boden ist das Gleichgewicht zwischen Humusaufbau und -abbau entscheidend. Werden mehr Nährstoffe entnommen als entstehen, nimmt die Qualität des Bodens ab. Mit gezielten Maßnahmen kann die Humusbildung beeinflusst werden. In der ökologischen Landwirtschaft ist dies besonders wichtig.
Die ökologische Landwirtschaft arbeitet mit und nicht gegen die Natur. Das bedeutet, dass die Bodenfruchtbarkeit entscheidend ist. Dafür greifen Landwirte auf gezielte Düngung etwa mit Mist, Kompost oder Gülle zurück. Diese liefert nicht nur wichtige Nährstoffe, sondern auch Kohlenstoff, der von den Mikroorganismen im Boden in Humus umgewandelt wird. Auch der Anbau von Zwischenfrüchten und vielfältige Fruchtfolgen kann für eine gute Wurzelaktivität sorgen und den Boden auch außerhalb der Bepflanzung mit der Hauptkultur beleben. Leguminosen oder Kleegras sind dafür besonders gut geeignet.
Eine schonende Bodenbearbeitung ist ein weiterer wichtiger Baustein. Idealerweise ist der Boden immer bepflanzt, dies reduziert die Erosion und fördert die Krümelstruktur. Dies sorgt dafür, dass Wasser besser im Boden gebunden wird. Wichtig ist auch das Bodenbiom. In der konventionellen Landwirtschaft wird es häufig durch Pestizide abgetötet. In der biologischen Landwirtschaft bleibt es aktiv und vielfältig und stärkt so die Humusbildung. Dabei zeigen Langzeitversuche klar, dass ein ökologisch bewirtschafteter Boden einen 10 bis 20 Prozent höheren Humusgehalt hat als eine konventionelle bewirtschaftete Fläche.
Mehr Humus: Welchen Vorteil hat das eigentlich?
Doch welchen Vorteil hat ein hoher Humusgehalt? Tatsächlich gibt es gleich mehrere Faktoren. Die Struktur des Bodens ist etwa deutlich besser, da der Humus fast wie ein Klebstoff zwischen den Bodenpartikeln funktioniert. So kann mehr Wasser aufgenommen werden. Studien zeigen dabei, dass ein Hektar Fläche bei einem ein Prozent höheren Humusgehalt bis zu 40.000 Liter Wasser zusätzlich aufnehmen kann. Dies sorgt dafür, dass Pflanzen auch in Trockenphasen mit Flüssigkeit versorgt werden. Bei Starkregen wird mehr Wasser gebunden, was Überflutungen reduziert und der Bodenerosion vorbeugt.
Der Humus ist aber auch ein wichtiger Nährstoffspeicher. Pflanzennährstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Kalium werden im Boden gebunden und an die Pflanzen abgegeben. Dies verringert Nährstoffverluste und senkt den Düngerbedarf. Außerdem entsteht so ein wichtiger Lebensraum. Wussten Sie etwa, dass in einem einzigen Gramm Erde Milliarden Mikroorganismen leben? Diese zersetzen Material, fördern das Wurzelwachstum und helfen gegen Erkrankungen der Pflanzen.
Humus speichert jedoch auch Kohlenstoff. Genauer gesagt: Humus besteht zu 58 Prozent aus Kohlenstoff. Jeder Prozentpunkt Humus mehr im Boden bedeutet auf den Hektar gerechnet 180 Tonnen CO₂ weniger in der Luft. Das bedeutet, dass der Humusaufbau einer der wesentlichen Faktoren für die Reduzierung von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist.
Mehr Klimaschutz dank gesundem Boden
Die Bio-Landwirtschaft zeigt, dass eine nachhaltige Bewirtschaftung nicht nur den Böden hilft, sondern auch zum Klimaschutz beiträgt. So zeigen Studien des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL): Ökologisch bewirtschaftete Böden speichern im Schnitt 200 bis 700 Kilogramm CO₂ pro Hektar und Jahr mehr als konventionelle Böden. Sie sind außerdem widerstandfähiger gegen Trockenheit und Starkregen – also gegen zwei Phänomene, die angesichts der Klimakrise weiter zunehmen werden und unsere Lebensgrundlage bedrohen.
Ein gesunder Boden ist nicht nur der Schlüssel für eine nachhaltige Landwirtschaft, sondern auch für mehr Klimaschutz. Bodenfruchtbarkeit, wertvolle Nährstoffkreisläufe und Klimaschutz werden zu einem ganzheitlichen System verbunden. Biolandwirte zeigen damit jeden Tag, wie die Natur gestärkt werden kann, ohne auf Wirtschaftlichkeit zu verzichten. Investieren wir in gesunde Böden, investieren wir in unsere Zukunft – für fruchtbare Felder, stabile Erträge und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.